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„ZIB 2 History“ „500 Jahre Reformation – Luther und Österreich“ spannte am Abend des Reformationstags den Bogen von Martin Luther über die schwierige Geschichte der Evangelischen in Österreich bis zum gegenwärtigen Verhältnis von Evangelischen und Katholiken. Im Studio bei Lou Lorenz-Dittlbacher: der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. Michael Bünker und der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn.

 

ORF-Doppelinterview in „ZIB 2 History“

Eine durchwegs positive Bilanz zum Reformationsjubiläum haben am Abend des Reformationstages Bischof Michael Bünker und Kardinal Christoph Schönborn gezogen. Im vergangenen Jahr habe es in der Ökumene zwischen Evangelischer und Katholischer Kirche durchaus Fortschritte gegeben, hielten beide im ORF-Doppelinterview in der „ZIB 2 History“ zum Reformationsjubiläum fest. Der „Grundwasserspiegel des Vertrauens“ sei im Jubiläumsjahr gestiegen, sagte Bischof Bünker. Dafür gelte es, dankbar zu sein.

Die Katholische und die Evangelische Kirche seien sich in den vergangenen Jahren unvergleichlich näher gekommen als jemals zuvor, bestätigte Kardinal Schönborn. Die Kirchen hätten aus der Vergangenheit schmerzlich gelernt, „dass das Grundanliegen der Reformation das Grundanliegen jedes Christen sein muss. Diese Erkenntnis hat uns einander näher gebracht.“ Martin Luther wollte keine neue Kirche gründen, sondern das Christentum erneuern. Und er habe die zentrale Frage nach einem gnädigen Gott gestellt, unterstrich der Kardinal. Diese Frage sei für Katholiken wie Protestanten gleich wichtig. Schönborn verwies in diesem Zusammenhang auf Papst Franziskus, der wie noch kein Papst zuvor die fundamentale Gemeinsamkeit von Katholischer und Evangelischer Kirche betont habe.

Zugleich sprachen sich der Wiener Erzbischof wie auch der lutherische Bischof gegen eine Ökumene aus, die in einer katholisch-evangelischen Einheitskirche ihr Ziel findet. „Wir wollen kein einförmiges Christentum“, so Schönborn wörtlich. Eine Verschiedenheit, die nicht trennt, sondern eint, „tut gut“.

In gleicher Weise erklärte Bischof Bünker: „Eine Einheitskirche kann nicht das Ziel sein.“ Und mit den Worten von Papst Franziskus plädierte der Bischof dafür, „geeint in den Unterschieden voranzugehen“. Die vorhandenen Unterschiede müssten nicht trennen, sondern könnten die Kirchen auch stärker miteinander verbinden, meinte der evangelisch-lutherische Bischof.

Bünker wies auch auf das Motto hin, unter dem das Reformationsjubiläum in Österreich stand: „Freiheit und Verantwortung“. Wiewohl für Martin Luther religiöser Pluralismus noch kein Thema gewesen sei, habe mit der Reformation die Idee von der persönlichen Freiheit des Einzelnen und des zuallererst persönlich verantworteten Glaubens ihren Ausgang genommen. Diese Entwicklung führte zum hohen Gut der Religionsfreiheit. Außerdem sei Bildung für alle ein wichtiges Anliegen Luthers und der anderen Reformatoren gewesen. Gemeinsam mit der Diakonie gehöre Bildung zum Aufbruch des 16. Jahrhunderts, so der Bischof in der ORF-Sendung, die live aus der Aula der Evangelischen Schule am Karlsplatz übertragen wurde.

Das Christentum zeichne sich durch Respekt vor der Freiheit und dem Gewissen des anderen, durch Nächstenliebe und durch den Verzicht auf Gewalt aus, sagte Kardinal Schönborn. Aus dieser Haltung heraus seien die Christen aufgefordert, den Muslimen die Hand entgegenzustrecken. Eine solche Haltung beeindrucke durchaus auch viele Muslime, berichtete der Kardinal von entsprechenden Erfahrungen.

Die Sendung ist noch bis 7. November in der ORF-TV-Thek abrufbar.

Text: epdÖ

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