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Brückenbau 3

Das Brückenbauen legt viele Bilder und Vergleiche nahe, wie Kirche sein soll.

Frank Moritz-Jauk

Frank Moritz-Jauk, Pastor, Evangelisch-methodistische Kirche in Graz

Fotos: www.emk.at

Jetzt haben wir also am 30. September 2017 beim großen Fest am Rathausplatz Brücken gebaut. Dieses Brückenbauen hat sich für uns als Evangelisch-methodistische Kirche, als segensreiches Konzept herausgestellt. Segensreich, weil man in den einzelnen Teilen und Prozessen, viele Bilder und Vergleiche sehen kann, wie wir Kirche sein wollen.

Fangen wir beim Material an: Unbehandeltes Holz, rauh und zwei Typen von Schrauben. 10 zwei Meter Latten und 150 gleiche Latten, alle 65cm lang. Mehr braucht es nicht, um daraus vier verschiedene Brücken entstehen zu lassen. Entscheidend sind die Ideen.

Auf den Menschen übertragen kann man sagen, der Mensch braucht auch nicht viel: Liebe und Aufmerksamkeit, einen Platz im Leben. Wenn es beim Zusammenfügen der verschiedenen Teile zu einer Brücke auf die Idee ankommt, dann kommt es beim Zusammenfügen von Menschen auf das Herzblut, die Liebe an. Das Engagement ist es, das den Unterschied macht.

Kommen wir zum Bauen: Jeder und jede konnte mitmachen. Bei den etwas kleineren Menschen, brauchte es manchmal die helfende Hand.

So soll Kirche sein: Jede und jeder kann mitmachen. Für diejenigen die vielleicht erst am Beginn ihres Glaubens und ihrer Beziehung zu Gott stehen, braucht es liebevolle Gemeindemitglieder, die einmal etwas erklären oder aus ihren eigenen Erfahrungen berichten können.

Jede neue Brücke war anders. Im Schwierigkeitsgrad haben wir uns kontinuierlich gesteigert. Idealerweise trifft dies auch auf die Kirche zu, sie verharrt nicht in einem Konzept. Kirche versucht Menschen auf unterschiedliche Weise zu erreichen, indem sie unterschiedliche Brücken zu ihnen baut. Wenn gute Erfahrungen gemacht werden – die gebaute Brücke hält, sie ist stabil – dann kann man sich neue Erfahrungen zutrauen.

Beim Bau der dritten Brücke ist uns das Material ausgegangen. Also haben wir einfach die erste Brücke zerlegt, um die neue Brücke bauen zu können.

Dieses Zerlegen der ersten Brücke war vielleicht eines der stärksten Symbole: Was nutzt ein wunderschönes Kirchengebäude, das aber nicht besucht wird? Wenn wir nicht bereit sind, uns von alten Vorstellungen zu trennen, werden die neuen Brücken nicht gelingen. Zu diesem Bild füge ich noch ein Hinweis dazu: Das Holz der ersten Brücke hatte jetzt zwar schon Löcher von den Schrauben, es hatte seine Lebensspuren, aber es war noch gut. Vollkommen gut und geeignet, um Teil der nächsten Brücke zu sein.

Die Hängebrücke wollte nicht halten. Erst als wir den Druckstab in Form des Geländers dazu gefügt haben, hat es funktioniert.

Lösungsorientiertes Arbeiten: Wenn wir mit Menschen gemeinsam unterwegs sind, dann gelingt nicht immer alles gleich im ersten Anlauf. Aber mit Ideen, mit Herzblut, lässt sich ein Weg finden.

Die letzte Brücke, ein dreidimensionaler Träger mit einer Spannweite von gut 6 Metern, ist gebrochen. Wir haben keine Stütze gebaut, sondern ihn so repariert und verstärkt, dass er gehalten hat.

Ich war es, der über die Brücke gegangen ist, als sie eingebrochen ist. Ich erinnere mich noch gut an den tiefen Seufzer und die hängenden Schultern. Warum?

Es gibt Brüche im Leben. Das ist normal. Aber aus den Fehlern lernen wir. Und auch hier gilt für menschliche Beziehungen das Gleiche wie für Brücken: Lassen wir uns nicht entmutigen. Ein Bruch ist noch nicht das Ende. Das Ende ist erst dann erreicht, wenn man aufgibt. Aber warum sollten wir das tun? Gott baut uns auf und so können wir Brücken zu unseren Mitmenschen aufbauen.

Am Spätabend haben wir alle Brücken wieder abgebaut. Sauber lag das Holz auf einem Stapel geschlichtet und die Schrauben waren wieder in ihren Schachteln.

Unser Leben hat ein Ende, irgendwann werden wir wieder zu Staub. Aber ist es nicht schön – du Holz im Stapel – dass du dich an all das Schöne erinnern kannst? An das Strahlen in den Gesichtern der Erbauer und Erbauerinnen. Du weißt, ohne dich wäre es nicht gegangen. Du hast deinen Teil zur funktionierenden Brücke beigetragen. Du hattest deinen Platz.

So möchte ich auch mein Leben sehen.

Text: Frank Moritz-Jauk 

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