Tanzen mit Tradition: Eröffnungswalzer auf dem Ball der Wiener Philharmoniker im Jahr 1959. Foto: akg-images / Imagno / Franz Hubm

Reformationsball

Ein Unikat, gemalt von den kirchenleitenden Persönlichkeiten der drei evangelischen Kirchen in Österreich, wurde für einen guten Zweck zugunsten eines Projekts der Diakonie de la Tour versteigert.  

Rund 1100 Gäste tanzten am „Europäischen Reformationsball“ im Walzerschritt in das Jubiläumsjahr 2017 – 500 Jahre Reformation. Impressionen vom Ball in der Hofburg finden Sie hier.

Aber warum tanzt die Reformation? „Das Tanzen war im Zeitalter der Reformation weit verbreitet und sehr beliebt unter allen sozialen Ständen der damaligen Zeit“, erklärt Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche in Österreich A.B. in seiner Rede zur Eröffnung des Balls. „Man tanzte zu Hause, im Gasthaus, auf öffentlichen Plätzen, auf der Straße und sogar in den Kirchen. Es müssen ganz wilde Tänze gewesen sein, oft liest man von Verdrehungen und Herumschwingen, wildem Durcheinanderlaufen und von absichtlichem Umwerfen. Es war – so heißt es in den Quellen – ein pochen, boldern, springen hoch in die Höhe, schreyen, jauchzen und krähen, die Tanzenden haben sich verdrehet, verkörpert, verkwirgelt, geschwungen, geruckt und hoch empor gehoben. Simplicius schreibt: ´Ein wildes Getrippel und Gepöhl, dass ich meinte, sie wären alle rasend geworden. Am Schweiß, der ihnen über die Gesichter floss, und an ihren Geschnäuff konnte ich abnehmen, dass sie sich stark zerarbeitet hatten, aber ihre fröhlichen Angesichter gaben zu verstehen, dass ihnen solche Bemühungen nicht sauer ankommen.´ Kein Wunder, dass manche den ´Tantzteuffel´ am Werke sahen, alle Ehre und Zucht schien verloren. In manchen Strömungen des Protestantismus hat sich das in einer allgemeinen Ablehnung des Tanzes, manchmal sogar einem Tanzverbot niedergeschlagen. Die wilden Tänze kamen allgemein aus der Mode und mussten den sittsamen höfischen Tänzen der vornehmen Herrschaften weichen müssen. Statt Volten zu schlagen, regierte bald das ehrbare Menuett.  […] Der typische Wiener Walzer ist auch so ein Eindringling aus der wilden Welt des Tanzens, viel zu enger Körperkontakt und viel zu viele Drehungen, bis sich die ganze Welt dreht. Und dennoch: Der Klassiker auf dem Tanzparkett!

Auf Martin Luther können sich die Tanzkritiker aber nicht berufen!  In einer Predigt zur Geschichte von der Hochzeit zu Kana gesteht Luther, er wisse das Tanzen nicht zu verdammen. Obwohl mancherorts über die Tische und sogar in den Kirchen getanzt werde. Aber es solle ohne Sünde geschehen! „Die jungen Kinder tanzen ja ohne Sünde, so tu du es auch und werde ein Kind, so schadet dir der Tanz nicht“.

Der Ball war seit mehreren Wochen ausgebucht und finanziell selbsttragend.

Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich 

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