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„Evangelisch“ ist nicht gleich „evangelisch“ – oder? Die Repräsentanten der drei evangelischen Konfessionen, Michael Bünker, Thomas Hennefeld und Lothar Pöll, stehen Rede und Antwort:

 

EVANGELISCH-SEIN.AT: 2017 wird das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation gefeiert. Auf welchen Reformator geht die Evangelische Kirche A.B. zurück, Herr Bünker? Vermutlich Martin Luther…?!

 

MICHAEL BÜNKER: Die Reformation Martin Luthers hat früh in Österreich Fuß gefasst. Ich denke an die vielen Studenten, die damals nach Wittenberg gegangen sind. Gleichzeitig hat die schweizerische Reformation, die auf Ulrich Zwingli und Johannes Calvin zurückgeht, ihren großen Einfluss in Österreich gehabt. Beides gehört zusammen. Die Evangelische Kirche A.B. ist aber eine „lutherische“ Kirche. Diese Bezeichnung hat sich eingebürgert, obwohl Luther selbst ganz dagegen gewesen ist, dass sich eine Kirche nach ihm bezeichnet.

 

EVANGELISCH-SEIN.AT: Und auf welchen Reformator geht die Evangelische Kirche H.B. zurück, Herr Hennefeld?

 

THOMAS HENNEFELD: Anders als bei Lutheranern und Methodisten stand nicht ein einziger Mensch im Mittelpunkt. Prägend für die Reformierte Kirche waren vor allem Ulrich Zwingli und sein Nachfolger Heinrich Bullinger in Zürich und Johannes Calvin in Genf. Für Zwingli war der Einsatz für soziale Gerechtigkeit entscheidend, um seinen Glauben glaubwürdig zu leben. Vor allem von Calvin ging eine Strahlkraft aus, die reformiertes Gedankengut in alle Himmelsrichtungen trug und bis nach Amerika seine Wirkung entfaltete.

 

EVANGELISCH-SEIN.AT: Gibt es auch einen Evangelisch-methodistischen Reformator, Herr Pöll?

 

LOTHAR PÖLL: Der anglikanische Geistliche John Wesley hat im 18. Jahrhundert in England die methodistische Bewegung ins Leben gerufen, eine Erneuerungsbewegung, die vor allem unter den armen und ausgebeuteten Bevölkerungsschichten am Beginn des industriellen Zeitalters wirksam war. Durch das Evangelium erfuhren Menschen ihre von Gott gegebene Würde und wurden befähigt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und Ungerechtigkeit und Not zu überwinden. John Wesley verband die Erfahrung der unverdienten Gnade Gottes mit dem unbedingten Willen zur Nachfolge Christi.

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