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„Evangelisch“ ist nicht gleich „evangelisch“ – oder? Die Repräsentanten der drei evangelischen Konfessionen, Michael Bünker, Thomas Hennefeld und Lothar Pöll, stehen Rede und Antwort:

 

EVANGELISCH-SEIN.AT: Was bedeutet für Sie persönlich „Evangelisch-Sein“ heute?

 

MICHAEL BÜNKER: Für mich hat Evangelisch-sein immer bedeutet, für meinen Glauben selbst eintreten zu können. Also die Zu-Mutung der eigenen Mündigkeit und Eigenverantwortung. Das ist eine große Freiheit. Gleichzeitig habe ich mich in der Gemeinschaft der Evangelischen schon als Kind geborgen gewusst. Diese positive Spannung zwischen persönlichem Glauben und lebendiger Gemeinschaft ist für mich nach wie vor faszinierend.

 

THOMAS HENNEFELD: Evangelisch-sein leitet sich vom Evangelium ab. Es bedeutet, das Evangelium, also die Frohe Botschaft zu verkündigen, aus der Gewissheit heraus zu leben, dass mir alles von Gott geschenkt ist, ich mir nichts verdienen kann und gleichzeitig damit Verantwortung habe für meine Mitmenschen und für die Mitgestaltung der Gesellschaft und der Welt, in der ich lebe. Dieser Ansatz kann gesellschaftspolitische Sprengkraft entwickeln, denn er konterkariert eine Leistungsgesellschaft, in dem jeder seines Glückes Schmied ist.

 

LOTHAR PÖLL: Evangelisch-sein bedeutet für mich, einer Kirche anzugehören, die ganz und gar der befreienden Botschaft des Evangeliums verpflichtet ist, die deshalb demokratische Strukturen hat, in der Frauen und Männer Zugang zu allen Ämtern haben und in der jeder Mensch willkommen ist.

Evangelisch-sein bedeutet für mich, auch meiner eigenen Überzeugung und meinem Gewissen zu folgen und selbst verantwortlich vor Gott zu stehen.

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