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Gemälde von Lucas Cranach d.Ä., Doppelporträt Martin Luther und Katharina von Bora 

Gern wird Martin Luther als Frauenhasser dargestellt. Und in der Tat, dafür gibt es wortmächtige Belege: “ Wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben. Es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, dass sie sich äffen und trügen lassen.“ In anderen Texten bestätigt er die biblische Rede, dass die Frau dem Manne untertan sein solle, erklärt, dass der Tod im Kindsbett nun mal Teil des Frauenlebens sei, und bejaht in einer Predigt das Verbrennen von Hexen.

Ja, Luther war ein Mann des 16. Jahrhunderts, wir können ihn nicht ins 21. beamen. Aber er war kein Frauenhasser. Er schrieb: “ Eine Frau ist der beste Gefährte fürs Leben.“ Gerade als Familienvater und im Zusammenleben mit seiner Frau Katharina von Bora zeigte er Respekt. Und er holte das weltliche Leben mit Sexualität, Kindererziehung, Familie aus der Aura des „Sündigen“ heraus. Bis dahin galt lediglich das Leben in Kloster und Zölibat als direkter Weg zu Gott. Nun zeigte die Heirat ehemaliger Nonnen und Priester die Weltzugewandtheit des reformatorischen Glaubens.

Nicht im Abseits, in der Welt leben wir unser Christsein. Das führte zur Aufwertung von Frauenleben, in den ersten Kirchenordnungen wurden Hebammen zu Kirchendienerinnen ernannt. Und Martin Luther forderte von den Fürsten Schulen für alle. Jeder Junge und jedes Mädchen sollte Lesen und schreiben lernen – das eröffnete den Weg zur Bildung von Mädchen und Frauen gleich welcher sozialen Herkunft. Schließlich ebnete Luthers Tauftheologie den Weg zur Frauenordínaton.

„Jeder, der aus der Tauf gekrochen ist, ist Prieser, Bischof, Papst“, schrieb er und meinte Frauen wie Männer. Mehr als 400 Jahre dauerte es, bis die evangelischen Kirchen aus dieser theologischen Grundlegung praktische Konsequenzen zogen und Frauen ins Pfarramt ordinierten, sie als Bischöfinnen beriefen. So wurde Luthers Theologie zum sichtbaren Unterscheidungsmerkmal evangelischer Kirche.

 

Quelle: Die Zeit, Nr. 9, vom 16.02.2016.

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