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Vor mehr als siebzig Jahren ist der zweite Weltkrieg zu Ende gegangen und auch unser Österreich ist vom Nationalsozialismus befreit worden. Vor über sechzig Jahren konnte Österreich nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages wieder seine Unabhängigkeit erlangen.

Unsere evangelische Kirche hat in diesem neuen Österreich ihren Platz gefunden. Sie beklagt nicht, dass sie eine Minderheitskirche ist. Sie versteht sich als Diaspora, als ausgestreutes Saatgut im Ackerfeld dieser Welt. Das bedeutet, dass sie nicht nur für sich selbst da sein will, sondern immer danach fragt: Welche Frucht soll aus dieser Saat aufgehen? Was ist unser Auftrag für das Ganze der Gesellschaft? Mit welchen Inhalten, mit welchen Anliegen beteiligt sie sich an den allgemeinen Fragen und Herausforderungen, die die Menschen in Österreich bewegen? Wofür soll die evangelische Kirche in Österreich in der Öffentlichkeit bekannt sein, also auch bei den Menschen, die zu einer anderen Kirche oder Religionsgemeinschaft gehören und bei denen, die keiner Religion angehören?

Diese Fragen stellen sich auch deswegen, weil 2017 die evangelischen Kirchen 500 Jahre Reformation feiern werden. So wurden die Gemeinden befragt und haben mit großer Zustimmung zwei Begriffe genannt, für die unsere Kirche öffentlich eintreten soll. Diese beiden Begriffe sind: Freiheit und Verantwortung. Bei Freiheit denken wohl viele gleich an Martin Luther und seine berühmte Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ aus dem Jahr 1520.

Glaubens- und Gewissensfreiheit, Eigenständigkeit und Mündigkeit jedes Menschen, das sind zentrale Werte, für die die Evangelischen einstehen. Aber Freiheit wirkt sich immer konkret aus in Verantwortung. Ich denke in erster Linie an unsere Verantwortung für die Menschen, die am Rand stehen und die auf Hilfe angewiesen sind. Das sind heute vor allem diejenigen, die vor Krieg und Gewalt flüchten müssen und bei uns Aufnahme suchen.

Ich freue mich, wenn viele Menschen in diesem Geist gemeinsam auf das Jahr 2017 zugehen und so die Freude am Evangelium sichtbar wird. Sie sind bestimmt auch dabei!

Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich

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