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Bünker im Büro

Bischof Michael Bünker

Im Jahr 2017 wird in Deutschland, Europa und der ganzen Welt das 500. Jubiläum der Reformation gefeiert werden. Was in Wittenberg mit Martin Luther begann, entwickelte sich in kurzer Zeit zu einem ausstrahlungsmächtigen europäischen Ereignis und zu einem Datum von weltgeschichtlicher Bedeutung.

Am Anfang stand eine grundlegende Entdeckung Martin Luthers. Ihn beschäftigte die Frage: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Heute lauten die Fragen: „Wofür bin ich da?“ „Was ist meine Aufgabe im Leben?“ „Wie finde ich zu einem sinnerfüllten Dasein?“ Luther fand damals eine Antwort in der Bibel. Durch das Studium der Heiligen Schrift lernte er Neues über Gott. Im Römerbrief des Apostels Paulus stieß er auf die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt – eine Gerechtigkeit, die Gott selbst erschafft. Klar trat ihm vor Augen, was es bedeutet, wenn es im Römerbrief heißt: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ (Römer 1,16 f). Die existentielle Kraft, die nach Luthers eigenem Zeugnis dieser Glaubenseinsicht zukam, lässt sich auch heute noch erschließen. Niemand muss sich einen gnädigen und barmherzigen Gott verdienen, weil Gott immer schon gnädig und barmherzig ist. Niemand muss sich einen Lebenssinn erarbeiten. Es gilt, ihn im Glauben zu finden. Kein Mensch muß Gott gütig stimmen, sondern Gott bestimmt uns durch seine Güte. Gott erweist sich als gnädig, deshalb brauchen wir ihm nichts zu beweisen. Wer das glaubt, der ist gerettet. „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“

Freiheit

Diese Erkenntnis brachte einen Wind der Freiheit in die fest gefügte mittelalterliche Welt. Die Angst vor einem richtenden, strafenden Gott, die Sorge um das zukünftige Seelenheil, der Zweifel im Blick auf die eigene Würdigkeit und Rechtschaffenheit – die Sorgen einer ganzen Weltsicht fielen in sich zusammen. Die Entdeckung der Gnade Gottes weckte eine neue Lust an der Freiheit. Frei von den Alpträumen der Sorge. Frei für die Liebe zu Gott. Frei für den Dienst am Nächsten. Zugleich zeigt sich aufs Neue, wie sehr Menschen in aller Welt sich nach der Freiheit von Not wie von Furcht sehnen. In einer Zeit, in der eine globale wirtschaftliche Dynamik die Verarmung großer Bevölkerungsschichten nicht etwa aufhält, sondern beschleunigt, bekommt die Frage nach der Freiheit von Armut und Not erneute Dringlichkeit. In einer Zeit, in der ein weltweit agierender Terrorismus Furcht auslöst und Kriege in neuer Gestalt um sich greifen, wird die Freiheit von Furcht zu einem Alltagsthema.

Genau aus diesem Grund ist die Stimme reformatorischer Kirchen in unserer Zeit unentbehrlich. Sie versteht die Freiheit eines Christenmenschen zu allererst als Befreiung aus den Ketten der Sünde und des Todes, als Abschied von den Verkehrungen der menschlichen Existenz, als Rettung aus den Desorientierungen des menschlichen Daseins. Ebenso wichtig wie die Frage, wovon der christliche Glaube befreit, ist auch die andere Frage, wozu er in die Freiheit ruft. Die Zusage der Freiheit setzt Menschen in Bewegung und soll sie davor bewahren, in egoistischer Verkrümmung zu verharren. Reformatorischer Glaube zielt auf den rechten Gebauch der Freiheit und auf das Wissen um die Verbundeheit aller, also auf Verantwortung.

Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich

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