Sicht auf Villach (Foto: Roland Ster / wikimedia)

Villach liegt an der Schnittstelle der Verkehrswege, die von Salzburg oder Wien kommen und nach Slowenien oder Friaul weiterführen. Diese Lage macht die Stadt an der Drau bis heute zu einem Knotenpunkt verschiedener Sprachen und Kulturen. Eine so in das internationale Verkehrsnetz eingebundene Stadt erleichtert die Mobilität der Menschen, die sie bewohnen.

Schon im November 1517, also unmittelbar nach der Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers, beginnt der Villacher Georg Krainer sein Studium in Wittenberg. Später wird er evangelisch gesinnter Prediger in Maria Gail bei Villach. Sigmund von Dietrichstein, der Patronatsherr der Villacher Stadtpfarrkirche St. Jakob, überließ 1526 der Bürgerschaft das Recht, Pfarrer zu berufen. Typisch reformatorisch gesinnt sollten die Bürger und Bürgerinnen vor allem darauf achten, dass das Wort Gottes „klar, lauter, ohne alle menschlichen Zusätze“ gepredigt werde. So wurden evangelische Prediger berufen. Einer von ihnen, Karl Fuchs, ließ in der Kirche 1555 eine neue Kanzel errichten, die als eines der bekanntesten evangelischen Baudenkmäler Kärntens gilt.

Im „Eggerloch“ feierten die Evangelischen ihre geheimen Gottesdienste

Aber auch in Villach – wie in ganz Österreich – wurde durch die gegenreformatorischen Maßnahmen das evangelische Leben fast vollständig zum Erlöschen gebracht. Durch sechs Generationen lebten die Evangelischen ihren Glauben im Untergrund. Ein eindrückliches Zeugnis dafür findet sich im Kurort Warmbad bei Villach. In einer Höhle (dem sogenannten „Eggerloch“) finden sich Inschriften, in den Stein geritzte Zeichnungen und Abbildungen, die darauf schließen lassen, dass dort im Geheimen evangelische Gottesdienste gefeiert wurden. Erst mit dem Toleranzpatent von Kaiser Joseph II. im Jahr 1781 erhielten die Evangelischen das Recht der „privaten Religionsausübung“. Sie konnten Gemeinden gründen und mit Pfarrern ihre Gottesdienste feiern.

Heute ist Villach wieder zu einem Zentrum der Evangelischen in Kärnten geworden. Seit 1946 befindet sich hier der Sitz der Superintendentur Kärnten und Osttirol, zu der 40 Gemeinden gehören. Die beiden evangelischen Pfarrgemeinden in Villach haben rund 6500 Mitglieder, das sind 14% der Bevölkerung. Für österreichische Verhältnisse ist das ein hoher Wert!

An Villach ist zu sehen, wie früh und wie schnell sich die Reformation weit über die Grenzen hinaus verbreitet hat. Über Villach ist diese Verbreitung in den slowenischen Sprachraum, vor allem durch die Schriften von Primoz Trubar, durchgeführt worden. Fürwahr eine „Europäische Reformationsstadt“!

Quelle: www.reformation-cities.org/cieties/villach

Evangelische Stimmen im O-Ton Podcast-Serie zum Reformationsjubiläum

Gedanken zu Karfreitag und Ostern von Bischof Michael Bünker, Landessuperintendent Thomas Hennefeld und Superintendent Stefan Schröckenfuchs

Freiheit und Verantwortung in der kanadischen Wildnis Zum 500. Jahrestag der Reformation

Freiheit und Verantwortung gehören zusammen. – Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, erzählt hierzu eine Geschichte, die er selbst als Kanufahrer auf dem Bowron Lake erlebt hat.

Religion für Einsteiger Luthers revolutionäre Einsicht

Wie sich bei Luther die Erkenntnis durchsetzte: Du bist geliebt, du musst nichts dafür tun.

Waldenser, Barfüßer, Täufer Steyr ist Reformationsstadt Europas

Die oberösterreichische Stadt gedenkt 2017 mit zahlreichen Veranstaltungen ihrer evangelischen Tradition.

Reformation und Gesellschaft Die Rolle des Buchdrucks in der Reformation

Die Reformation war nicht nur für die Kirche, sondern auch gesellschaftlich sehr bedeutsam.

Das planen wir für 2017 Unsere kommenden Projekte im Reformationsjahr

Die Projekte der drei Evangelischen Kirchen in Österreich für das 500-jährige Reformationsjubiläum.

2017 und die Kunst Serie von Bildern zu "Freiheit und Verantwortung"

Der Grafiker Olaf Osten gestaltete mit sieben Sujets einen künstlerischen Zugang zum Motto für das Jahr 2017.