Foto: wikimedia/Wolfgang H. Wögerer

Als 100. Stadt hat Schwaz in Tirol am Mittwoch, dem 25. Oktober, den Titel einer „Reformationsstadt Europas“ verliehen bekommen. Die von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) vergebene Auszeichnung geht an Städte, die durch ihre Geschichte eng mit der reformatorischen Bewegung verbunden sind. Die Stadt im Inntal verzeichnete während der Blütezeit des Silberabbaus im 15. und 16. Jahrhunderts einen starken Bevölkerungszuwachs und wurde nach Wien zur zweitgrößten Metropole im Habsburgerreich. Die meisten der zugewanderten Bergmänner kamen aus Gebieten, in denen die Reformation auf großen Widerhall gestoßen war. Für die reformatorischen Impulse, die von hier ausgegangen waren, wurde Schwaz  jetzt als achte österreichische Stadt und als erste in Westösterreich geehrt.

In seiner Festrede verdeutlichte der evangelisch-lutherische Bischof und Generalsekretär der GEKE, Michael Bünker, das Anliegen hinter dem Projekt der Reformationsstädte: „Wie lässt sich die Reformation als ein gesamteuropäischer Aufbruch sichtbar machen? Durch ein Netz von Städten. Denn die Reformation setzte sich ja zuerst in den Städten durch. Die Freiheit des Christenmenschen wurde gerade unter den aufstrebenden Bürgern und Bürgerinnen der Städte bereitwillig aufgenommen.“ Bünker wies jedoch auch darauf hin, dass das historische Gedenken nur einen Aspekt des Projekts ausmache. Gerade in der gegenwärtigen Situation der Wirtschafts- und Migrationskrise scheine es gewagt, in Europa ein Netz zu knüpfen: Aber „die Kirchen treten für ein geeintes und versöhntes Europa ein. Es ist der Kontinent der Religionsfreiheit und der Menschenrechte, der Vielfalt und Achtung zahlreicher Minderheiten.“

Heute gehören die Evangelischen in Schwaz zur Pfarrgemeinde Jenbach, die sich mit etwa 1150 Mitgliedern auf vier Tiroler Täler mit einer Fläche von über 2000 Quadratkilometern verteilt.

Text: epdÖ

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