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Luthermagnet

Das Portrait Martin Luthers auf einem Magneten. Foto: www.dw.com

Woran werden sich die Menschen morgen erinnern? An welche Gedichte, Briefe, Lieder und Schriften? Seit 1992 beschäftigt sich das UNESCO-Programm „Gedächtnis der Menschheit“ mit dieser Frage. Was erzählen die überlieferten Sammlungen über wichtige kulturelle Wendepunkte der Menschheit? Das UNESCO-Welterberegister umfasst inzwischen 348 Dokumente, darunter sind die Göttinger Gutenberg-Bibel, die Magna Charta aus England, der Azteken-Codex in Mexiko, die Tagebücher der Anne Frank ebenso wie Beethovens Neunte Sinfonie. Jetzt hinzugekommen sind 14 Briefe und Originaldrucke von Luthers Schriften, darunter sind sein Handexemplar der Hebräischen Bibelausgabe, seine Schrift an die Ratsherren zur Einrichtung von Schulen und ein Plakatdruck der 95 Thesen gegen den Ablasshandel, mit denen 1517 die Reformation eingeleitet wurde. Diese Dokumente gehören jetzt offiziell zum Gedächtnis der Menschheit, müssen bewahrt und vor dem Vergessen geschützt werden. Die Begründung ist „Luthers Schriften zeigen, wie ein religiöser, kirchlicher Impuls, der von der Frage nach der Beziehung des Menschen zu Gott ausgegangen ist, einen tief greifenden Veränderungsprozess in Gang setzen konnte. Nicht nur Kirche und Religion, sondern auch Politik, Gesellschaft und Kultur veränderten sich.“ Dabei spielte der Buchdruck eine bedeutende Rolle, indem er für eine rasche Verbreitung der Schriften sorgte.

Die Würdigung durch die UNESCO ist im Reformationsjubiläumsjahr 2017 besonders erfreulich und eine große Ehre, ist Stefan Rhein, Direktor der Luthergedenkstätten in Wittenberg, überzeugt: „Der Reformator Martin Luther ist nicht nur für den deutschen Protestantismus bedeutend, sondern für die gesamte Zivilgesellschaft ebenso wie für die internationale Ökumene.“

Neben den Luther-Schriften wurde auch das handschriftliche Original von Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe in das Weltregister aufgenommen. Sie ist ein Meilenstein der Musikgeschichte mit großem Einfluss bis heute. Mit der Formel „Singen und Sagen“ stellte Luther erstmals in der Kirchengeschichte die Musik mit der Theologie auf eine Stufe. Bach vertonte viele Kirchenlieder Luthers. Er verstand Musik als Gotteslob und unterzeichnete alle seine Kompositionen mit „Allein Gott zur Ehre“. Luther und Bach, zwei Menschen, die Weltgeschichte geschrieben haben, aufgenommen in das Gedächtnis der Menschheit, um ihre Werke zu bewahren und vor dem Vergessen zu schützen.

Text: Kronen Zeitung vom 26.03.2017

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