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Susanne Heine

Susanne Heine ist Professorin für Praktische Theologie und Religionspsychologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

Globalisierung, Migration, Flucht lassen Menschen verschiedener Religionen und Kulturen näher zusammenrücken. Will eine Gesellschaft nicht zerbrechen, muss sie mit dieser Vielfalt zurechtkommen. Das ist nicht ganz leicht, vieles wirkt befremdlich. Aber gerade der Islam müsste nicht fremd sein, denn nur in Bibel und Koran spielt Jesus eine Rolle, freilich eine unterschiedliche.

Christentum und Islam sind verwandte, aber zugleich eigenständige Weltreligionen. Verwandte können sich über ihre verschiedenen Lebenswege zerstreiten. Sie können aber auch ihre Beziehungen pflegen und sich darüber austauschen, woran ihr Herz hängt; das wäre ein Gewinn für den familiären Zusammenhalt.

Glauben bedeutet in beiden Religionen nicht bloß, eine Lehre zu lernen, sondern Gewissheit im Herzen. So sprechen Luthers Katechismen von „gewiss werden“, und im Heidelberger Katechismus heißt es: Gott „macht mich gewiss“ durch seinen Geist. Auch nach dem Koran ist es Gott, der die Menschen zum inneren Glauben führt (Sure 49,17). Wenn Glaube im Herzen von Gott gestiftet wird, dann kann Glaube kein Besitz sein mit einem Absolutheitsanspruch, der andere Gewissheiten verurteilt.

Auf dieser Basis müssen dann auch die Unterschiede keine Angst vor Identitätsverlust machen. Im Islam gilt Jesus als Prophet und Gesandter; auch nach dem Koran hatte er keinen menschlichen Vater. Im Christentum gilt Jesus als von Gott gesandter Offenbarer, an dessen Leben und Geschick in Tod und Auferstehung die Menschen Gottes Wille und Verheißung erkennen können. Daher, so Nathan Söderblom: „Was Christus für das Christentum, das ist der Koran für den Islam.“

Heute geht es darum, einander besser kennenzulernen, auch in Bezug auf Sitten und Gebräuche, und Missverständnisse und Vorurteile zu bereinigen, die eine lange Geschichte wechselseitiger Expansionskriege festgeschrieben hat. Begegnen, verstehen, respektieren sollte ein „Bildungsprogramm“ sein, auch für solche, die keiner Religion zugehören. Damit das Leben lebenswert bleibt.

aus: evangelisch. Berichte und Mitteilungen aus den evangelischen Pfarrgemeinden A. und H.B. Feldkirch und Dornbirn, gemeinsame Ausgabe 01 / März 2016

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