Beiträge aus der Evangelisch-methodistischen Gemeinde Wien Fünfhaus

Bernhard Pöll, Gemeindemitglied

Freiheit und Verantwortung – das gehört zusammen. Freiheit kann nur dort sein, wo Menschen auch Verantwortung für sich selbst und für andere übernehmen.

Das erlebe ich auch in meiner Gemeinde in der Evangelisch-methodistischen Kirche. Nicht nur Pastorinnen und Pastoren entscheiden und handeln in der Kirche, auch Laienmitarbeiter sind in alle Entscheidungsprozesse und die Arbeit der Kirche eingebunden, und das bis hin in die höchsten Gremien. Was mir in dem Zusammenhang wichtig ist, das ist die Liebe. Für mich gehören auch Liebe und Verantwortung zusammen. Die Liebe Gottes ist die Basis unserer Gemeinschaft. Ich bin Mitglied in dieser Kirche, weil ich diese Liebe auch durch viele Menschen erfahren habe. Wer in der Gemeinde und Kirche Verantwortung übernimmt und sich in die Gemeinschaft einbinden lässt, der lebt die tätige Liebe, von der die Bibel spricht. In dieser Verantwortung versuchen wir in unserer Gemeinde für andere Menschen da zu sein. Ich erlebe das dadurch, dass Menschen auch für mich da sind. Da kann auch ich gerne mitarbeiten und Verantwortung übernehmen. Da kann ich fröhlich am Sonntag feiern und Gott loben, denn ich weiß mich in die Liebe Gottes durch andere Menschen eingebunden. Eine Liebe, die mir Freiheit schenkt und in der ich verantwortlich mitwirken kann.

Christa Murtinger, Gemeindemitglied

Meine Freiheit bedeutet, dass ich viel Spielraum in meinem Leben habe. Sie stellt mich aber auch immer wieder vor Entscheidungen. Ich bin dankbar, dass ich noch nicht oft unter äußeren Zwängen Entscheidungen treffen musste. Wenn ich davon ausgehe, dass ich mir Freiheit nicht „nehme“ – sondern sie als Geschenk betrachte, ergibt sich die Verantwortung eigentlich wie von selbst. Ich trage dafür Verantwortung, auch anderen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit zu ermöglichen. Ich trage auch die Verantwortung für alle Schritte, die ich nicht setze – trotz meiner persönlichen, nicht in Frage gestellten, Freiheit. Das klingt nach großen, für den Einzelnen unerreichbaren Zielen. Im Grunde geht es aber oft nur um kleine Dinge im Alltag. Und ich muss diese Ziele auch nicht alleine erreichen. In meiner Gemeinde bin ich mit Menschen unterwegs, die Verantwortung als einen gemeinsamen Auftrag und Freiheit als eine treibende Kraft nach vorne sehen. Ich bin dankbar, dass Freiheit zum Denken und Handeln sowie das Bewusstsein unserer Verantwortung fest in unserer Kirche verankert sind.

Stefan Schröckenfuchs, Pastor

Unsere Gemeinde ist für mich einerseits eine Gemeinschaft, in der die befreiende Kraft des Glaubens erfahrbar wird. Dies kommt z.B. im Zuspruch von Vergebung und Versöhnung beim Abendmahl zum Ausdruck. Gott nimmt uns ohne Vorbedingung an. Gerade dieser Zuspruch birgt die Kraft, in meinem Leben etwas zu verändern: Ängste können so überwunden werden, Verletzungen heilen, und der Mensch wird aus seiner verkrampften Selbstbezogenheit befreit.

Eine evangelische Gemeinde ist aber nicht allein für sich selbst da. Die Erfahrung der bedingungslosen Liebe Gottes öffnet auch den Blick für den Nächsten in seiner Bedürftigkeit. Als Gemeinde, die im ärmsten Bezirk Wiens angesiedelt ist, gehören für uns ganz konkret Obdachlose zu diesen Nächsten. Deshalb haben wir vor einigen Jahren begonnen, im Winter unsere Räume als Wärmestube für Obdachlose zu öffnen. Bis zu 100 Personen pro Öffnungstag machen von diesem Angebot Gebrauch. Und es kommt dabei zu berührenden Begegnungen, die nicht nur für unsere Gäste, sondern auch für uns als GastgeberInnen segensreich sind.

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Buchtipp: Gesichter, Geschichten, Konturen

Gesichter, Geschichten, Konturen. – Ein Buch über die Vielfalt evangelischen Lebens.

Betrachtung von Margot Käßmann

Freiheit ist ein Grundbegriff der Refomation und bis heute von zentraler Bedeutung.

Mündigkeit und Freiheit Freiheit als zentraler Begriff der Reformation

Freiheit war ein wichtiger Begriff in der Reformation. Das selbstständige Denken wurde geweckt.

Evangelische Stimmen im O-Ton Podcast-Serie zum Reformationsjubiläum

18.000 Menschen und ein Fest. Das war das Reformationsfest auf dem Wiener Rathausplatz.

2017 und die Kunst Serie von Bildern zu "Freiheit und Verantwortung"

Der Grafiker Olaf Osten gestaltete mit sieben Sujets einen künstlerischen Zugang zum Motto für das Jahr 2017.