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Frank-Walter Steinmeier, deutscher Bundesaußenminister

Christsein, Reformation und Politik – was diese Welten miteinander zu tun haben, darüber denke ich oft nach. Als Christ bin ich verantwortlich für mein Tun, aber eben auch für mein Nichttun. Auch das Sich-Heraushalten ist die Flucht vor Verantwortung. Im Matthäusevangelium gibt es eine schöne Stelle, in der es um das Jüngste Gericht geht: „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habe mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt micht nicht getränkt … Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht … Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.“ (Matthäus 25,42-45). Das ist eine Ermahnung an Christinnen und Christen, nicht abseits zu stehen und nicht wegzusehen, wenn Menschen in Not geraten.

Luther hatte eine klare Botschaft:
Mischt euch ein!

Die Reformation war in diesem Sinn ein Wendepunkt für das Verhältnis von Christinnen und Christen und der Welt. Nehmt eure Verantwortung vor Gott und vor der Welt ernst! Das ist es auch, was mich bis heute anspricht an der Reformation und an Luther: die Aufforderung an alle Einzelnen, schon im Hier und Jetzt für Liebe statt Hass, für Versöhnung statt Krieg einzutreten. Wenn wir im Vaterunser beten: „Dein Reich komme“ – dann sind wir mitverantwortlich, Schritte auf dem Weg dahin zu gehen. Darin wohnt eine Bereitschaft zur Weltveränderung. Vor allem aber die Gewissheit: Die Zukunft ist offen!

[…]

Aber natürlich heißt Reformation mehr als mitmachen. Wir sollen das nach christlichen Maßstäben tun. Unser evangelischer Glaube gibt uns ein Fundament, eine Richtschnur für unser Handeln. Er ruft uns auf, Überzeugungen zu haben, zu ihnen zu stehen, Fragen zu stellen und uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen – und nicht die Geduld zu verlieren. Auch das trifft sich gut mit meinem eigenen Erleben in der Politik. Denn in der Außenpolitik können wir den Erwartungen nach schnellen Erfolgen, nach richtigen Lösungen nicht gerecht werden. Unser Geschäft ist es eher, dass wir uns auch im Zustand totaler Aussichtslosigkeit um kleinste Fortschritte bemühen. Immer gibt es Hoffnung – und Rückschläge. Genau dazwischen liegen unsere Möglichkeiten, immer wieder.

Quelle: http://chrismon.evangelisch.de/was-wir-glauben

 

 

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